Tanz – Theater – Ausstellungen – Feste

„Revolution in München“ betitelte PRO 7 in der Sendung Explosiv das Festival

Vorwort

FETISCH, der; frz. fétiche < portugis. feitico=Zauber(-mittel), eigtl. (Nach-)gemachtes lat. factielus = nachgemacht, künstlich, zu: facere = machen) (Völkerkund.): (heftiger) Gegenstand, dem magische Kräfte zugeschrieben werden, subjektiv, besondere Bedeutung beigemessen wird; Götzenbild;


KULT, der; 1. Formen der religiösen Verehrung; Zus.: Ahnen-, Feuer-, Heroen-, Marien-, Sonnen-, Totenkult. 2. als übertrieben empfundene Hochachtung, Verehrung.

KULT – (als Bestimmungswort) bezeichnet das im Basiswort benannte als etwas, das dem Zeitgeschmack entspricht, mit dem sich die Mehrheit gefühlsmäßig identifiziert und in dem sie ihre Wünsche und Vorstellungen dargestellt und verwirklicht findet, z.B. Kultbuch, Kultfilm, Kultfigur.

(aus: DUDEN, Etymologie der deutschen Sprache)


Fetisch + Kult Vier Wochen lang wird sich vom 22. Mai bis 25. Juni im Tempel alles um die künstlich hergestellten Götterbilder drehen. Aus den Blickwinkeln der verschiedenen Kunstbereiche wird sich das Festival mit den modernen Erscheinungsformen des religiösen, erotischen, aber auch alltäglichen Tanzes um die Phänomene „Fetisch und Kult“ beschäftigen.



Solange es den homo sapiens gibt, existiert auch der Kult. Was zunächst religiösen Ursprungs war und sich in Sonnen-, Feuer-, Ahnen-, bis hin zum Marienkult manifestierte, hat längst seinen weltlichen Zwillingskult kreiert. James Dean ist für den einen absolute Kultfigur, für den anderen nur ein aufgeblasener Schnösel, der sich in seinem Porsche aus dem Leben katapultierte. Barbie ist Kultfigur, Jim Jarmusch macht Kultfilme, und Tempel ist Kult: Tanz, Theater, Ausstellungen, Performances und Parties mit internationalen Künstlern sollen den Besucher mit Vergötterungen, sinnlichen Abhängigkeiten, künstlich hergestellten Welten und den Statussymbolen unserer Zeit konfrontieren und ihm so auf unterhaltsame Weise eine Auseinandersetzung mit diesem Thema ermöglichen. Tempel ist Fetisch: Wo Kult auftaucht, sind Fetische nicht weit – kein Kult ohne Zaubermittel. Kein Merlin ohne Zauberstab, keine Gundelei ohne Besen. In der das Festival begleitenden Ausstellung werden die Fetische der heutigen Zeit vorgestellt: Erotomechanics von Oscarpreisträger H.R. Giger, die XANAX Sexmachines, Claudia Böhms fotografische Abbildungen von Kult und Ritual, sowie verschiedene Filmpräsentationen zum Thema.

Höhepunkt des Festivals wird u.a. die DRESSCODE GALA zur Eröffnung des Programms sein, die Europapremiere von PENNY ARCADE mit ihrer Tanzgruppe aus N.Y. und die Performances der New Yorker Künstlerin, Hure und ehemaligen Domina Annie Sprinkle, die aus dem extremen Erfahrungsschatz ihres Lebens erzählt und gleichzeitig auf charmante Art und Weise Zugang zu neuen Dimensionen sinnlichen Erfahrens schafft. Einen wesentlichen Teil des Festivals bilden Veranstaltungen zum Thema CYBERSPACE in Form von Shows, Vorträgen und Ausstellung. Der Tempel – vier Wochen lang Wallfahrtsort für Computerbesessene, Barbie-Geschädigte, für Lack- und Lederfreaks, abhängige Hausfrauen, für Sektierer und ganz, ganz normale Menschen.

Bonger Voges